Sonntag, 18:13

Ich sitze gerade im Zug zur Kaserne nach Aalborg, wo ich morgen früh um 5:30 Uhr aufstehen muss und um 7:25 Uhr in Uniform für die Zimmerkontrolle bereitstehen muss. Es ist eine Woche vergangen seit Beginn meiner freiwilligen Wehrpflicht, und morgen fängt die zweite an. Eine Woche fühlt sich dort an wie ein Monat. Ich habe in meinem Leben noch nie so viel gelernt – sowohl im Umgang mit den Tools als auch über mich selbst. Nur eine Woche, und ich fühle mich bereits wie ein anderer Mensch. Die Wehrpflicht ist zugleich Engel und Teufel. Einerseits erlebe ich dort in einer Woche so viel wie sonst in einem Monat – und das mit sehr tollen Menschen, bisher jedenfalls. Ich darf sehr viel Neues lernen: über Menschen, über das Leben, über den Krieg und nicht zuletzt über mich selbst. Ich bin jeden Tag mental und physisch gefordert. Es ist eine Herausforderung, an der ich jeden Tag wachse.

Diese Herausforderungen und täglichen Anforderungen kosten aber genauso viel, wie sie geben. Jeden Abend falle ich todmüde ins Bett. Das Wochenende habe ich ausschließlich genutzt, um mich zu regenerieren. Ich bin täglich psychisch gefordert. Jeden Tag muss ich so perfekt wie möglich performen. Am Wochenende fiel diese Last von meinen Schultern. Ich hatte Halsschmerzen, Fieber und Erkältungssymptome. Um morgen wieder fit zu sein, habe ich alles gemacht, was möglich war, und es hat zum Glück funktioniert. Durch die physische Belastung habe ich eine Schienbeinentzündung bekommen, die ich zwar schon davor hatte, die jetzt aber ein wenig schlimmer geworden ist. Am Wochenende habe ich mein Schienbein mit Kinesiotape getapt, in der Hoffnung, dass es hilft. Bisher fühlt es sich ganz gut an.

Ich muss die nächsten vier Monate definitiv gut auf mich aufpassen, damit mein Körper das durchhält. Zum Glück gehe ich da ja nicht alleine durch, sondern mit vielen anderen. Und bisher helfen wir uns gegenseitig sehr gut. Dies macht vieles einfacher, insbesondere wenn wir zusammen über die Dinge lachen können. Alles vergeht. Noch stehe ich ganz am Anfang meiner militärischen Grundausbildung, und ich bin gespannt, wo es noch hingeht.

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